

Die 68. Grammy Awards in Los Angeles boten ein klares Bild: Rap bleibt tonangebend, Latin-Pop schreibt Rekorde, und ein britischer Newcomer-Moment sorgt für Gesprächsstoff.
Es gibt Preisverleihungen, die sich wie eine Momentaufnahme anfühlen. Und es gibt Abende, die eine Saison zusammenfassen, als hätten sie ein Fazit unter zwölf Monate Musik gesetzt. Die Grammy Awards 2026 waren so ein Abend: groß, laut, internationaler als je zuvor, und mit einem Sieger, der die Richtung vorgibt, statt ihr hinterherzulaufen.
Kendrick Lamar war zum zweiten Jahr in Folge der auffälligste Name in den Gewinnerlisten. Fünf Auszeichnungen gingen an ihn, darunter die Aufnahme des Jahres für „Luther“, eine Zusammenarbeit mit SZA, sowie das beste Rap-Album für „GNX“. In einer Nacht, in der Pop, Dance und Rock starke Schwerpunkte setzten, wirkte diese Rap-Dominanz nicht wie ein Genre-Reflex, sondern wie eine Entscheidung der Akademie: Das Zentrum liegt dort, wo Erzählung, Produktion und kulturelle Schlagkraft gleichzeitig funktionieren.
Die vier wichtigsten Preise des Abends
- Song des Jahres Billie Eilish – „Wildflower“
- Aufnahme des Jahres Kendrick Lamar feat. SZA – „Luther“
- Album des Jahres Bad Bunny – „Debí Tirar Más Fotos“
- Bester neuer Künstler Olivia Dean
Wer die komplette offizielle Gewinnerliste im Original prüfen möchte, findet sie bei der Recording Academy auf grammy.com.
Dass Kendrick Lamar am Ende dennoch nicht den ganz großen Pokal, das Album des Jahres, holte, machte die Nacht nicht kleiner, sondern spannender. Denn hier setzte sich Bad Bunny durch, dessen Karriere längst nicht mehr nur als Latin-Erfolgsgeschichte gelesen wird. Mit „Debí Tirar Más Fotos“ gewann er die prestigeträchtigste Kategorie und unterstrich damit, wie sehr sich die Grammys öffnen müssen, wenn sie Gegenwart abbilden wollen. Für europäische Hörer ist daran vor allem interessant, wie selbstverständlich Spanischsprachiges inzwischen im globalen Pop-Mainstream verankert ist, ohne seine regionale Identität zu verlieren.
In der Kategorie „Best New Artist“ ging der Preis an Olivia Dean. Für ein deutsches Publikum, das britische Soul- und Pop-Stimmen gern über Radio, Festivals und Streaming-Playlists entdeckt, ist das ein Signal: Hier wird nicht nur ein Hype belohnt, sondern eine Stimme, die wahrscheinlich bleiben wird. In den sozialen Netzwerken wurde diese Entscheidung schnell als eine Art „neuer UK-Export“ gefeiert, und sie passt in ein Jahr, in dem britische Acts in mehreren Sparten sichtbar waren.
Besonders dicht war die Gewinnerliste in Pop und Dance. Lady Gaga gewann etwa das beste Pop-Vocal-Album mit „Mayhem“ und holte außerdem den Preis für die beste Dance-Pop-Aufnahme mit „Abracadabra“. Bei den Pop-Performances gab es einen Moment, der die Dynamik moderner Chartmusik gut einfing: Lola Young gewann für „Messy“ die beste Pop-Solo-Performance. Auch im Duo- und Gruppenbereich stach eine Mischung aus großer Bühne und großer Geste heraus, als Cynthia Erivo und Ariana Grande mit „Defying Gravity“ als beste Pop-Duo- oder Gruppen-Performance ausgezeichnet wurden.
Rock und Alternative fühlten sich 2026 weniger wie eine nostalgische Nebenbühne an als in manchen Jahren zuvor. Turnstile gewann das beste Rock-Album mit „Never Enough“ und nahm in der Metal-Kategorie ebenfalls einen Preis mit. The Cure wiederum holten das beste Alternative-Album mit „Songs Of A Lost World“ und gewannen zusätzlich die beste Alternative-Performance mit „Alone“. Für viele Fans war das die Art von Anerkennung, die zeigt, dass ein langer Atem im Popgeschäft nicht nur geduldet, sondern gelegentlich sogar gefeiert wird.
Im Rap-Bereich blieb Kendrick Lamar nicht nur prominent, sondern auch stilprägend: Neben „Luther“ wurde „TV Off“ als bester Rap-Song ausgezeichnet, während Clipse gemeinsam mit Kendrick Lamar und Pharrell Williams die beste Rap-Performance für „Chains & Whips“ holten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Academy 2026 nicht nur Einzelhits bewertet, sondern Netzwerke, Kooperationen und Produktionstiefe.
rosé and bruno mars perform “APT.” at the 2026 Grammy Awards pic.twitter.com/tbNoUqOSoe
— rosé pics (@rosespics) February 2, 2026
Wer die Grammys gern als Seismograf liest, kann aus dieser Nacht eine einfache Linie ziehen: Die Grenzen zwischen Märkten und Sprachen werden weiter durchlässig, aber die entscheidenden Kategorien bleiben jene, in denen eine klare Handschrift zu hören ist. Kendrick Lamar steht für diesen Zugriff im Rap, Bad Bunny für die globale Verschiebung im Pop, und Olivia Dean für den Moment, in dem ein neues Gesicht plötzlich nicht mehr neu wirkt, sondern selbstverständlich.
Hinweis: Diese deutsche Fassung ist eine journalistisch neu formulierte Version auf Basis der von Ihnen bereitgestellten Gewinnerliste und Formulierungen.










