„Ich bin nur noch ein Wochenend-Papa“: Renzo Blumenthal über Trennungsschmerz, Sehnsucht und den Alltag ohne seine Töchter

Credit – schweizer-illustrierte

Zwei Jahre nach der Trennung spricht der Bündner Bauer und ehemalige Mister Schweiz offen darüber, was bleibt, wenn das Familienleben plötzlich auf Wochenenden zusammenschrumpft.

Zwei Jahre sind vergangen, seit Renzo Blumenthal und Ladina ihre Trennung öffentlich machten – nach 16 Jahren Ehe und einem Leben, das in der Öffentlichkeit oft wie ein geradliniges Heimatfilm-Kapitel wirkte. Heute sagt der ehemalige Mister Schweiz (2005), er habe sich gefangen. Aber die neue Realität habe ihren Preis: Der Hof in Graubünden ist geblieben, die Tiere auch – doch der vertraute Familienalltag ist weg.

Besonders schmerzhaft war für ihn nicht nur das Ende der Partnerschaft, sondern die Konsequenz für die Kinder. Sohn Moreno (17) blieb bei seinem Vater auf dem Hof, während die drei Töchter – Lena-Priscilla (14), Naemi (12) und Grace (8) – bei ihrer Mutter leben. Für Renzo war das ein Bruch, der tiefer ging als das Ehe-Aus selbst. Er beschreibt eine Zeit voller Wut, Verletzung und Scham – und das Gefühl, im Dorf plötzlich anders angeschaut zu werden.

In einer kleinen Gemeinde, wo man einander kennt und Geschichten schnell die Runde machen, wiegt so etwas doppelt. Blumenthal sagt, er habe sich zeitweise wie der „Dorflacher“ gefühlt: als jemand, der als Ehemann versagt habe. Gleichzeitig mussten die Tage weitergehen – auch dann, wenn innen alles wankt. Er erzählt, dass ihm die Arbeit mit den Tieren in dieser Phase Halt gegeben habe. Wer einen Hof führt, weiss: Füttern, misten, versorgen – das fragt nicht nach Stimmung. Es verlangt Präsenz.

Heute sei es ruhiger zwischen ihm und Ladina, vor allem um der Kinder willen. Die Scheidung ist noch nicht endgültig abgeschlossen, doch im Umgang habe sich vieles entspannt. Eine romantische Rückkehr schliesst Renzo klar aus. Für ihn ist die Grenze eindeutig: Wer einmal gegangen ist, bleibt nicht einfach „halb“ weg. Es ist ein Satz, der nach Entschlossenheit klingt – und gleichzeitig nach Schutzmechanismus.

Was ihn nach wie vor trifft, ist der Moment, wenn seine Töchter am Sonntagabend wieder gehen. Dann, sagt er, spüre er den Verlust am stärksten. „Ich bin praktisch nur noch ein Wochenend-Papa“, erklärt er. Das klingt nach Alltagssatz – und ist doch ein ganzer Lebenszustand. Er beschreibt sich als den „lustigen Vater“, den Spassmacher, aber nicht mehr als den, der unter der Woche erzieht, begleitet, aufbaut, Grenzen setzt. Und dann fällt dieser Satz, der hängen bleibt: „Was bin ich eigentlich? Nichts. Absolut nichts.“ Gleichzeitig betont er: Kinder brauchen ihren Vater.

Die gemeinsame Zeit versucht er bewusst zu gestalten: Im Winter Skifahren, Schlitteln oder Eislaufen, im Sommer grillieren, baden, wandern zur Alp oder eine Runde Minigolf. Es sind typische Schweizer Familienbilder – nur mit dem Wissen, dass sie begrenzt sind. Es geht nicht um „Programm“, sondern um Nähe, die man nicht verschieben kann.

Auf dem Hof lebt Moreno weiterhin mit seinem Vater. Renzo erzählt, sein Sohn mache jetzt die Lehre als Landwirt – und das mache ihn stolz. Moreno habe ihn schon als kleiner Bub bei der Arbeit beobachtet. In dieser Konstellation wird der Hof nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Rückgrat: ein Ort, der Stabilität gibt, wenn der Rest neu sortiert werden muss.

Trotz seiner Bodenständigkeit spricht Renzo auffallend offen über Einsamkeit. Er könne gut allein sein, sagt er, er sei nicht mehr 20 und werde nicht in Clubs auftauchen – aber in dieser neuen Lebensphase gebe es Momente, die „nicht so schön“ seien. Er hatte eine andere Vorstellung von der Zukunft, von „unserem“ Leben. Jetzt müsse er lernen, dass vieles anders läuft, als er es geplant hat.

Unterstützung findet er bei Menschen, die Ähnliches erlebt haben – Freunde und Bekannte, die wissen, wie sich Abschiede am Sonntag anfühlen. Und auch seine Familie trägt ihn: Eltern und Brüder seien eine wichtige Stütze gewesen. In der Schweiz ist das kein kleines Detail. Gerade auf dem Land sind Familiennetze oft das, was in Umbruchphasen wirklich hält.

Blumenthals grösster Wunsch ist schlicht – und für viele getrennte Eltern hierzulande sehr verständlich: die Kinder wieder „den ganzen Tag“ um sich zu haben. Vielleicht ist es genau das, was diese Geschichte so nahbar macht. Sie handelt weniger von Prominenz als von einer Realität, die viele kennen: dass Trennungen nicht nur Paare trennen, sondern auch Zeit, Routinen und Rollen neu verteilen.

Die Aussagen wurden in einem Interview mit der Schweizer Illustrierten gemacht.

Hinweis: Dieser Text ist neu formuliert und für ein Schweizer Publikum aufbereitet.

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