Stand: 16.02.2026 · Straßenkarneval erreicht in Nordrhein-Westfalen seinen Höhepunkt – von der Rheinmetropole bis in kleinere Orte.
Nordrhein-Westfalen steht am Rosenmontag traditionell Kopf – und 2026 zeigt der Straßenkarneval, wie widerstandsfähig er ist. Trotz Schneematsch-Wetter, Regenphasen und kräftigen Böen rollen die Züge durch Städte und Orte, während sich entlang der Strecken ein beeindruckender Mix aus Kostümen, Musik und rheinischer Schlagfertigkeit sammelt. Wer heute in Köln oder Düsseldorf unterwegs ist, merkt schnell: Es geht nicht nur um Konfetti und Kamelle – Rosenmontag ist auch Bühne, Heimatgefühl und manchmal ein Spiegel der Zeit.
Köln bleibt das Schwergewicht des Tages. Der größte Zug in NRW startet am Chlodwigplatz in der Südstadt und zieht von dort quer durch die Innenstadt. Das Motto lautet: „ALAAF – Mer dun et för Kölle!“ – ein Satz, der in diesem Jahr wie ein Schulterklopfen für die Stadt wirkt: Wir machen das für Köln. Gerade an einem Tag, an dem das Wetter eher nach Handschuhen als nach Party schreit, bekommt dieses Motto einen besonders praktischen Klang: Man feiert, weil man es will – nicht weil es bequem ist.
Während in Köln die Größe dominiert, gilt der Rosenmontagszug in Düsseldorf als der politischste Deutschlands. Unter dem Sessions-Motto „Mer bliewe bunt – ejal wat kütt!“ setzt die Stadt bewusst auf Vielfalt, Haltung und rheinischen Trotz. Genau deshalb schauen viele nicht nur auf die Musikzüge und Garden, sondern auf die Wagen, die jedes Jahr die stärksten Debatten auslösen: die satirischen Mottowagen des Künstlers Jacques Tilly.
Viel Aufmerksamkeit gilt 2026 den Tilly-Wagen. Die Motive werden traditionell mit Spannung erwartet, doch diesmal ist die Erwartung besonders geladen: Tilly steht wegen seiner Russland-kritischen Darstellungen in Moskau vor Gericht – und hat zugleich angekündigt, sich nicht einschüchtern zu lassen. Dieser Konflikt färbt den Tag: Satire wird nicht nur als Karnevals-Tradition wahrgenommen, sondern als Statement. Das Publikum schaut genauer hin, diskutiert lauter und erkennt in den Motiven mehr als nur einen schnellen Lacher.
In den Bildwelten der Düsseldorfer Wagen tauchen 2026 viele Themen auf, die ohnehin im Alltag mitschwingen: Machtinszenierungen, politische Deals, gesellschaftliche Spaltungen, digitale Abhängigkeit. Manche Motive sind bewusst provokant, andere treffen eher still, weil sie das Unbehagen der Gegenwart in eine einzige Szene pressen. Und genau das ist die Logik des Düsseldorfer Zuges: Karneval als Kommentar – grell, direkt, aber für viele auch überraschend präzise.
Das Wetter bleibt die große Nebenrolle des Tages. In NRW zieht Schauerwetter durch: Im Sauerland und in Ostwestfalen-Lippe startet der Vormittag teils noch mit Schnee, anderswo dominiert Regen mit Wind und kurzen sonnigen Fenstern. Vereinzelt kann es auch zu Graupel und stürmischen Böen kommen. Für Jecke heißt das: Kostüm und Komfort müssen sich nicht ausschließen. Wer clever ist, setzt auf Schichten, wasserfeste Schuhe und eine Jacke, die nicht die ganze Verkleidung „frisst“. Und wer am Rand steht, merkt: Warm bleiben ist heute fast so wichtig wie gute Laune.
Auch abseits der großen Bühnen läuft Rosenmontag. In Städten wie Krefeld, Bochum und Mülheim ziehen Züge durch die Straßen. In Essen sorgt ein besonderer Punkt für Gesprächsstoff: Dort soll mutmaßlich der größte Karnevalswagen Deutschlands rollen – eine offizielle Bestätigung steht zwar noch aus, doch allein die Aussicht auf einen Rekord macht den Zug für viele zum Ausflugsziel. Solche Neben-Highlights sind es, die Rosenmontag in NRW so groß machen: Selbst wenn man nicht in Köln oder Düsseldorf ist, hat man das Gefühl, mittendrin zu sein.
Sicherheit und Zwischenfälle bleiben Teil der Realität. Schon am Wochenende gab es bei einigen Veranstaltungen in NRW Zwischenfälle, darunter Gewalt und Unfälle. In einem Fall stürzten mehrere Männer von einem Wagen und verletzten sich teils schwer. Solche Meldungen verändern die Stimmung: Viele feiern weiter ausgelassen, zugleich sind Polizei-Präsenz, Absperrungen und klare Regeln spürbarer. Für Besucherinnen und Besucher gilt heute besonders: Routen beachten, Gedränge meiden, auf Kinder achten – und bei frostigem Untergrund lieber einen Schritt langsamer gehen.
Rosenmontag ist übrigens kein gesetzlicher Feiertag – aber in vielen Karnevalshochburgen läuft der Tag trotzdem anders. Betriebe geben häufig frei, und wo große Züge durchziehen, ist „normaler Betrieb“ in Innenstädten ohnehin kaum möglich. Wer einkaufen oder zum Arzt muss, sollte damit rechnen, dass einzelne Läden und Praxen wegen der Streckenführung oder Sperrungen schließen oder schwer erreichbar sind. Wer kann, plant Umwege, setzt auf ÖPNV oder geht zu Fuß.
Wer mehr Hintergrund zum Rosenmontag, seiner Geschichte und der Einordnung als Höhepunkt der Session sucht, findet eine kompakte Übersicht bei Wikipedia zum Rosenmontag.
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